Neugieriges (Hinter)fragen eines Gotteskindes Teil 2

Ich mache mir Gedanken darüber, warum ich mich immer noch damit beschäftige was andere denken könnten. Ich darf all die schlauen Sachen niederschreiben, aber habe ich das geschriebene auch wirklich schon verstanden? Mich holte noch am selben Tag mein Altes Raster wieder ein.

Ach ja, bevor ich weiterschreibe. Ich spreche ja immer davon, dass ich sie „SIE“ nenne. Obwohl ich doch eindeutig davon schreibe das alle Gedanken jetzt in MIR SELBST stattfinden! ICH benenne dieses „SIE“ jedoch mehr für bestimmte Denksysteme. Eine SIE ist eher wie ein Computerprogramm, dass auf eine ganz besondere Art die Dinge und Situationen benennt und berechnet.

Ein Beispiel dazu:

Eine SIE berechnet 5+5=10

Eine SIE berechnet 6+4=10

eine SIE berechnet 3+7=10

usw……

Kein Ergebnis ist falsch. Alle diese Berechnungen führen zu der 10!

Kein Denksystem ist falsch! Aber es gibt nun mal viele davon! Für welches soll ich mich nun entscheiden? Ist es nicht schön alle benutzen zu können? Ist es nicht viel schöner, wenn ich viele Sorten Obst gerne esse? Oder viele Speisen jeglicher Art? Stellen sie sich vor, Sie würden nur eine Speise essen, Ihr ganzes aufregendes Leben lang.  Puuuuhhhhh……schreckliche Vorstellung! Ist es nicht wunderbar vielfältig essen zu können? Aber wie schaut es aus mit vielfältigen Meinungen (Denksystemen) die man haben kann. Ist nur das EINE gut? Können auch andere Denksysteme gut sein? Stellen sie sich vor, die Sonne würde sagen, dass sie nur Den bescheint, der Schweinebraten mag. Oder nur die, die gerne Obst essen…..usw

Zwischenspiel: Ich beobachte gerade einen Gedanken in mir der sagt: das alles kann nur Geist. Der Geist beobachtet in sich selbst verschiedene Denksysteme/Programme/Charaktere usw)

Hört sich komisch an? Ist aber irgendwie das Gleiche als wenn ich behaupte, Du bist doof und ich bin lieb. Die Geschmäcker der Systeme sind nun mal unterschiedlich. Ich stelle mir auch gerade mal vor, dass man die Farbe grün wegmachen möchte weil sie einem nicht gefällt. Ja wo kämen wir denn da hin? Aber bei Meinungen die nicht unserem(?)(eher meinem) persönlichem Denksystem entsprechen sieht die Sache schon anders aus. Die will man nicht annehmen. Will sie nicht haben. Viele die ich schon gesprochen habe, haben mir erzählt, dass ihnen die viele Sonne auf den Sack geht. Manche finden Regen zum kotzen…..Wenn die das hätten wegmachen dürfen, dann hätte ich hier weder Regen noch Sonnenschein mehr. Das gleiche gilt noch mehr wenn ich alles auf mich beziehe. Was wäre die Welt doch arm wenn das funktioniert hätte. Ist das also dann wirklich noch ein gesundes ausgeglichenes Klima? Bedarf es nicht beides? So kann das auch mit jeglicher Meinung sein. Ein ausgeglichenes Klima in mir Selbst! Und dazu gehört nun mal ALLES! Ich mache mich ja mit keiner mir fremderscheinenden Denkweise ärmer sondern eher reicher! Ist es nicht schön, dass ich auch 5+5 rechnen kann und nicht nur 3+7 ?

Nun gut, jetzt möchte ich wieder zu meinem alten Raster kommen auf das ich wieder hereingefallen bin.

Ich sitze wundervoll entspannt im Park, als ein (alter)Verehrer auf mich zukommt. Sofort fange ich zu schwitzen an, denn ich habe ihn bei meinem letzten Treffen mehr oder weniger damit abgewimmelt das ich ihn vielleicht mal die Tage anrufe. Dieses Bürschchen ist wirklich hübsch anzusehen. Richtig knackig. Schlappe 25 Jahre jünger als ich und spricht kaum deutsch. Tunesier. Sie können sich gar nicht vorstellen wie viele Dogmen bei unserem Kennen lernen in mir abgingen. Der will eine Aufenthaltsgenehmigung, der braucht Geld, der verarscht mich, der ist zu jung usw. (das mit dem Geld hat sich dann schnell erledigt durch unser Sprachproblem. Er wollte mir dann sogar Geld geben weil er dachte ich brauche welches. Sie können sich vorstellen was das für eine Vorstellung ist? Denkt der ich bin eine Prostituierte?) Sprachprobleme sind so eine Sache wie ich ja schon mit dem Weihnachtsmann festgestellt habe. Also gut, weiter gehts. Das gleiche Spiel wieder von vorne. Ich liebe dich, will mit dir zusammen sein, möchte dein Mann sein. Ich gehe arbeiten für dich, du musst gar nichts machen…….bla bla bla…….ich schwitze immer mehr. Wie erkläre ich Ihm, dass mir mittlerweile sein Alter wurst ist, mir auch egal ist ob er mich benutzen will für eine Aufenthaltsgenehmigung, es mir auch egal ist, ob er mich bezahlt wie eine Prostituierte. Denn ich spüre nur eine Sache. Ich mag mein Leben so wie es gerade ist und möchte keine Beziehung mit Ihm haben. Er interessiert mich schlicht und ergreifend nicht. Mit Händen und Füßen versuche ich im klar zu machen, dass ich Ihn auch mag, vielleicht sogar auf eine nichterklärbare weise liebe. Ich schau mich in dem Moment im Park um, und empfinde für jede dort gesehene Person das gleiche! Auch für die Bäume und die Enten. Aber die nehme ich auch nicht mit zu mir(und dann doch wieder! Meine Gedanken nehme ich immer wieder zu mir nach Hause, denn wo gehen die denn hin wenn sie weg gehen?). Naja, um die ganze Geschichte abzukürzen, ich erwische mich dabei, dass es mir wichtig ist das Er mich versteht. Ich möchte (mein ganz persönliches Martinaprogramm) nicht, dass Er traurig ist wenn ich Ihm eine Absage verpasse! Jetzt frage ich mich Selber: wer ist hier traurig? Denke ich nur das Er traurig sein könnte? Und selbst wenn, na und? Fühle „ich“ mich besser wenn Er mich versteht? Geht es überhaupt darum? Will „ich“ mich glücklich fühlen? Wenn ja, dann geht es mir ja gar nicht darum das Er glücklich und nicht traurig sein soll! Warum muss mich jemand verstehen? Ist es nicht eher umgekehrt? Verstehe ich ihn? Wer spürt jetzt Traurigkeit und Nichtverstehen? Projektziere ich meine Gedanken auf  mein Gegenüber? Wer sieht ihn denn traurig? Doch wohl ich, und nur ich! Und noch was, darf man nicht traurig sein? Will ich nur noch nichttraurige Leute in meiner Welt haben? Ich sag nur „ausgewogenes Klima“. Nur noch Sonnenschein? Nie mehr Regen?

Anderes Beispiel mit komplett anderer Wertung:

Ich bekomme nach dem Essen einen Schnaps angeboten. Ich lehne den Schnaps ab weil mir nicht danach ist. Ich mache mir überhaupt keinen Kopf darüber ob mein Gegenüber der ihn mir anbietet beleidigt oder traurig sein könnte. Willst ein Stück Kuchen essen? Nein danke, mir ist gerade nicht danach. Und bei solchen Gelegenheiten ist da überhaupt kein Gedanke von Traurigkeit oder Erklärungsnot in mir vorhanden! Es ist auch kein Gedanke da ob ich meinem Gastgeber damit weh tun könnte mit meiner Abfuhr! Ist das nicht das gleiche? Ich habe weder was gegen Schnaps noch Kuchen!!! Ich habe auch nichts gegen dieses knackige Bürschchen!!! Und trotz alledem habe ich eine komplett andere Herangehensweise an den Tag gelegt.

Das sind die Sachen, die ich beobachten kann! Das ist hochinteressant! Das verrät mir sehr viel über meine eigene „SIE“, mein eigenes von mir hauptsächlich benutztes Denksystem.

Was ich aber noch nicht richtig verstehe ist, dass sich jemand wie Sauerbier anbietet. Wenn ich doch merke, dass jemand nicht will, dann lasse ich es doch sein, oder etwa nicht? Wie viel Würde lege ich an den Tag wenn ich all meine (angeblich)guten Eigenschaften aufzählen muss um angenommen zu werden? Oder doch etwa „nur“ UM ETWAS ZU BEKOMMEM? Mama, Mama, ich will unbedingt dieses eine Spielzeug haben? Was können Kinder nicht alles auffahren an Mimik, Gründe und auch Trotzreaktionen wenn es um Ihre Wünsche geht? Nur beschleicht mich da so ein Gefühl, dass es nicht um diesen jungen Mann geht, sondern eher darum zu beobachten wie meine „SIE“ damit umgeht. Ich habe ja dieses Problem! Denn es scheint eines zu sein! Mir passiert das relativ häufig. Warum wiederholt sich immer das gleiche Schauspiel? Denke ich vielleicht immer noch, dass ich mich irgendwie besonders benehmen müsste um angenommen zu sein? Mache ich das gleiche? Nein ich denke nicht. Aber eines beobachte ich gerade in mir. Soll ich es verraten? Ich fühle mich scheiße wenn ich mich frei bewege. Frei im Sinne von: alles ist erlaubt und nichts muss!

Jede Reaktion, jede Meinung, jeder Geschmack ist ein kleiner Teil von was Größerem. Kein Teil davon darf fehlen. Keiner ist wie der Andere. Aber alle gehören zu dem Größeren. Zu dem EINEN. Mein (Martina)Denksystem ist eines von vielen. Ein Programm von vielen Programmen. Ein Computer hat viele Programme. Alle Programme führen was anderes aus. Ein Körper hat viele Organe. Alle müssen zwangsläufig eine andere Aufgabe für den Körper erfüllen. Ich stelle mir vor wie sich das Auge aufregt das das Ohr nicht so handelt wie die Hand. Komisch oder?

Was ich mir selbst damit sagen möchte, ist dies……

…..was immer ich auch beobachte das meine Person oder aber mein Denk- und Wertesystem auch immer tut, es ist in Ordnung. Es gilt nicht es jetzt auszumerzen nur weil man glaubt, dass es blöde und falsch sei. Denn auch das ist wieder ein Teil des Gößeren.  Alles Wertungen! Wertungen über Wertungen. Wer entscheidet letztendlich darüber welche von diesen die bessere oder gegebenenfalls die schlechtere sei? SIE entscheidet darüber! Unsere jeweils eigene „SIE“. Andere „SIE“ andere Wertung! Jetzt sind wir doch ganz flugs wieder bei unseren Berechnungen wie man denn zu der 10 gelangen kann. Machen wir nun 5+5, 6+4, 7+3, oder benutzen wir alle? Wollen wir nur eine bestimmte Speise ein Leben lang? Können wir mit mehreren nicht viel flexibler und vielfältiger leben?

Das alles lässt sich aber wie ich mittlerweile bemerkt habe nicht erzwingen! Man kann sich diesen „neuen“ Gedankengängen nur annähern und auf sich wirken lassen. Wichtig ist meiner Meinung nach eines: ICH beobachte gegen was ich mich innerlich noch wehre! Denn das ist ein klares Anzeichen von „so kann man das aber nicht stehenlassen oder sehen. Da ist man geeicht auf nur eine Sichtweise. Und nur eine Sichtweise auf ein Objekt ist unmöglich (mit unmöglich sollte ich eigentlich nicht hantieren, denn natürlich ist auch dies möglich! Wie oft hat man das denn schon gehabt im Laufe seines Lebens?). Aber wie heißt es so schön: dem Spiegel ist es egal was hineinschaut. Ob der Seher nun das Bild hässlich findet oder aber auch schön. Der Spiegel nimmt alle Bilder und Formen an die er abbildet. Der ist so gesehen meinungslos. Man kann auch sagen der Tasse ist es egal ob sie nun den Henkel links sehen oder von der anderen Seite aus betrachtet ihn rechts sehen. Fakt wäre in diesem Beispiel das der Henkel sowohl rechts als auch links ist.

Ich möchte (?)Ihnen noch erzählen wie mein Abenteuer im Park ausgegangen ist.

Irgendwann (mittlerweile war sein Freund noch mit dabei um zu dolmetschen) wurde es mir zu bunt! Irgendetwas machte „Klick“ bei mir. Ich frage mich innerlich warum ich mich ständig rechtfertige das ich nichts engeres mit Ihm möchte? Warum bei jeder von mir getätigten „Rechtfertigung“ eine Gegenreaktion kommt? Ich beobachtete mich dabei aufmerksam und stelle mit Entsetzen fest, dass alles was mein Gegenüber erzählt auch ein bisschen richtig ist aus dessen Sicht ( ist der Henkel rechts oder links?). Das ist mir mit einemmal klar geworden. Und das alles was ich gesagt habe zu ihm auch wieder ein bisschen falsch ist. Denn es ist nur eine von vielen Möglichkeiten etwas zu sehen. Und in diesem Moment, das kann ich Ihnen sagen, da ist mortz was los in einem. Was jetzt tun? Ein innerliches Stoßgebet, Vater, bitte hilf mir! Urplötzlich ist eine Gleichgültigkeit in mir zu spüren. Ein nicht in Worte zu fassendes Gespür. Ich darf loslassen. Ein klares jetzt will ich nicht mehr. Akzeptiere meine Entscheidung oder aber lasse es. Es ist nicht mein Problem wenn jemand glaubt sich anbieten zu müssen und der Fisch springt aber trotzdem nicht ins Netz. Egal! Und es ist etwas Wunderbares passiert! Ich fühlte mich das erste mal nicht schlecht dabei. Denn wie kann ich mich bei etwas schlecht fühlen was ich nicht als schlecht bewerte? Ich habe mich, bzw. mein Handeln in diesem einen Moment voll akzeptiert ohne das andere als schlechter zu empfinden! Geil!

Schnitt…………….